Geldanlage – Wohin mit dem Ersparten?

Geldanlage – Wohin mit dem Ersparten?

Gehen wir einmal davon aus, dass wir unsere Einnahmen (Stellschraube 1) und Ausgaben (Stellschraube 2) soweit im Griff haben, dass es uns gelingt, monatlich einen Überschuss auf dem Girokonto anzuhäufen. Dieses wächst nun stetig an. Das ist natürlich nett, aber wäre es nicht noch viel netter, überschüssige Mittel gewinnbringend anzulegen? Ich denke, da sind wir uns einig.

Kommen wir also zu unserer dritten Stellschraube des Vermögensaufbaus, der Geldanlage.

Wie viel Zusatzeinkommen darf es denn sein?

Erinnern wir uns kurz: Ziel unseres angestrebten Vermögensaufbaus ist es, einen Einkommensstrom zu schaffen, der von unserer eigenen Arbeitskraft unabhängig ist. Passives Einkommen aus Kapital.

Welche grundlegenden Anlageklassen stehen uns dafür zur Verfügung?

  1. Wir könnten das Ersparte auf dem Girokonto liegen lassen. Ziemlich bequem aber auch ziemlich ertraglos. Es erwartet uns eine Verzinsung weit unterhalb der Inflationsrate. Für Großanleger sind bereits Negativzinsen eingeführt.
  2. Packen wir das Geld auf ein Tagesgeldkonto. Immerhin bekommt man hier einen kleinen positiven Zins, aber auch hier verliert man gegen die Inflationsrate.
  3. Ähnlich sieht es bei Sparbuch und Festgeld aus. Bequeme Sache, geringer Aufwand, derzeit unbefriedigende Verzinsung. Noch nicht allzu lange her, da konnte man mit den Anlagemöglichkeiten unter 2. und 3. vernünftige Verzinsungen erzielen. Seitdem die Leitzinsen auf den Nullpunkt abgesenkt wurden, sind diese Zeiten vorbei.
  4. Eine bessere Verzinsung versprechen da Anleihen. Dies sind festverzinsliche Wertpapiere, mit in der Regel jährlicher Verzinsung und Rückzahlung des Nennwertes am Laufzeitende. Je nach Bonität des Emittenten (Staaten, Industrieunternehmen) sind hier attraktive jährliche Verzinsungen zu erzielen.
  5. In der langfristigen Rückschau bieten wohl Aktien (Indizes) die attraktivste Renditeerwartung (Kurssteigerungen und Dividenden). Und Rendite alias zusätzliche Einnahmen ist es schließlich worauf wir aus sind.

Also alles auf Rot? Moment, da war doch noch etwas.

Keine Rendite ohne Risiko

Neben der Renditeerwartung darf das mit einer Anlage verbundene Risiko nicht vergessen werden. Grundregel: Keine Rendite ohne Risiko. Der Markt gewährt eine überdurchschnittliche Verzinsung des eingesetzten Kapitals nur dem, der mit seiner Geldanlage auch überdurchschnittlich hohe Risiken übernimmt. Marktunvollkommenheiten vernachlässigen wir an dieser Stelle einmal, da sie für den Privatanleger ohnehin kaum ausbeutbar sind.

Die oben unter 1. bis 3. angeführten Anlageformen tragen keine bzw. nur geringe Risiken und werden daher auch nur mit einem am sicheren Zins angelegten Zinssatz verzinst. Was man auf dem Kontoausdruck sieht, bekommt man ausgezahlt. Die gesetzliche und freiwillige Einlagensicherung sorgen dafür, dass dem Anleger sein Geld (bis zu einer gewissen Grenze) sogar im Falle einer Insolvenz der Bank, bei der der Anleger sein Geld eingelegt hat, nicht verloren geht.

Anleihen und Aktien unterliegen dagegen dem sogenannten Emittentenrisiko. Geht der Emittent (also die Institution, welche die Anleihen ausgegeben hat, oder an der man sich mit dem Aktienerwerb beteiligt) insolvent, besteht die Gefahr, dass die angelegten Mittel verloren sind. Aktien werden dabei als Eigenkapital des Unternehmens gegenüber den Anleihen (Fremdkapital) nachrangig bedient. Heißt auch höheres Ausfallrisiko und somit theoretisch höherer Renditeanspruch des Anlegers.

Während Anleihen zeitlich befristet sind und am Laufzeitende vom Emittenten zum Nennwert (grob gesagt dem Erwerbspreis) zurückgenommen werden, erwirbt man mit Aktien eine zeitlich unbegrenzte Beteiligung am Unternehmen. Der Wert der Aktie hängt von der wirtschaftlichen Entwicklung des Marktes und des Unternehmens ab. Der Kurs der Aktien spiegelt die Erwartungen der Marktteilnehmer zur Entwicklung des Unternehmens wider. Ein Risiko, welches der Investor trägt. Die mögliche aber unsichere Belohnung sind Wertsteigerungen und Dividendenzahlungen. Der Ausfallgefahr eines Einzelunternehmens kann man mittels Diversifikation beikommen. Entweder, indem man selber möglichst voneinander unabhängige Einzelwerte erwirbt, oder durch den Kauf von Fonds, welche einem wiederum die Diversifizierung (gegen entsprechende Gebühr) abnehmen. Zu Fonds folgt in einem separaten Beitrag mehr.

Was ist bei der Geldanlage noch zu beachten?

Wichtig für unsere Anlageentscheidung ist die erforderliche Verfügbarkeit der angelegten Mittel. Je kürzer unser Anlagehorizont (zeitliche Bindung der Mittel), desto sichere sollte die Anlage sein. Damit einher geht wiederum eine geringere Renditeerwartung. Für diesen Zusammenhang gibt es den Begriff des „Magischen Dreiecks der Vermögensanlage“ in dem man sich mit seiner persönlichen Anlageentscheidung immer bewegt.

Rendite, Risiko/Sicherheit und Liquidität/Verfügbarkeit stehen immer in einer Abhängigkeit zueinander. In der Regel sind nur zwei der drei Ziele gleichzeitig zu erreichen.

Vermögensanlage immer an der persönlichen Situation spiegeln

Da ich ein langfristig orientierter Anleger bin, rückt für mich das Ziel der Verfügbarkeit in den Hintergrund. Abgesehen von einem „Notgroschen“, den man für unvorhergesehene Ausgaben immer vorhalten sollte, können für mich alle verfügbaren Mittel ohne klar vorgegebenes Entnahmedatum investiert werden. Dies sieht bei Anlegern die bspw. einen Immobilienerwerb planen oder anderweitig auf ihr Vermögen zugreifen wollen natürlich ganz anders aus. Daher muss eine Geldanlage jeweils vor dem Hintergrund der persönlichen Situation und Zukunft entschieden werden.

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